Bundesförderprogramm Ladeinfrastruktur gestartet
Das lange Warten hat ein Ende: Nach schier endloser Prüfung hat die EU das deutsche Förderprogramm für Ladeinfrastruktur genehmigt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat daher nun alle Details und den ersten Förderaufruf veröffentlicht. Bis 2020 stehen im Bundesförderprogramm Ladeinfrastruktur insgesamt 300 Mio Euro für den Aufbau von 15.000 Ladesäulen bereit.
Was muss zuerst da sein – Henne oder Ei? Angesichts der anhaltend niedrigen Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge und großer Lücken im Ladenetz dürfte die Antwort jedem Marktbeobachter inzwischen klar geworden sein. Für eine wirksame Bewässerung der deutschen Ladewüste soll jetzt das Bundesförderprogramm Ladeinfrastruktur sorgen. Mit 200 Mio Euro fördert das BMVI darüber den Aufbau von 5.000 DC-Schnellladestationen. Weitere 100 Mio Euro sind für die Installation von 10.000 AC-Ladestationen vorgesehen. Voraussetzung ist für beide Technologien, dass die Ladesäulen öffentlich zugänglich sind und mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Private Investoren, Städte und Gemeinden können Förderanträge ab dem 1. März 2017 stellen. Der Branche bleiben also nur grob zwei Wochen, um sich auf die Förderanträge vorzubereiten. Allerdings dürften viele Player längst fertige Pläne in der Schublade haben.
Hier finden Sie die Förderrichtlinie sowie den ersten Aufruf zur Antragseinreichung.
Im ersten Call sind 2.500 Schnellladestationen vorgesehen. Diese werden nach einem festen Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. Grundlage dafür sind die Berechnungen aus dem Nationalen Strategierahmen zum Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (NSR). Zudem stehen 10 Mio Euro für AC-Ladeinfrastruktur zur Verfügung. Bei dieser Normalladeinfrastruktur erfolgt keine regionale Verteilung. Generell gilt wie auch beim Umweltbonus das Windhundverfahren. Heißt übersetzt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Wo entstehen die ersten Schnellladepunkte?
Für die ersten 2.500 Schnellladepunkte ist eine Verteilung nach Bundesländern vorgesehen. Die Grundlage dafür sind die Berechnungen aus dem Nationalen Strategierahmen zum Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (NSR):
Bundesland | Anzahl Schnelllader |
---|---|
Baden-Württemberg | 430 |
Bayern | 430 |
Nordrhein-Westfalen | 430 |
Niedersachsen | 186 |
Hessen | 186 |
Rheinland-Pfalz | 186 |
Berlin | 90 |
Sachsen | 90 |
Schleswig-Holstein | 90 |
Brandenburg | 66 |
Hamburg | 66 |
Sachsen-Anhalt | 66 |
Bremen | 46 |
Mecklenburg-Vorpommern | 46 |
Thüringen | 46 |
Saarland | 46 |
Wenn die maximale Anzahl an zuwendungsfähigen Schnellladepunkten in einem Bundesland erreicht ist, werden in diesem Bundesland keine weiteren Fördermittel bewilligt. Bei der Normalladestruktur erfolgt keine regionale Verteilung.
Wer kann die Förderung beantragen und gibt es Begrenzungen?
Bewerben können sich natürliche und juristische Personen, also sowohl private Investoren als auch Städte und Gemeinden. Kommunen werden hierbei als juristische Personen des öffentlichen Rechts bewertet. Die Förderung umfasst neben der Errichtung der Ladesäule auch deren Netzanschluss und Montage. Mögliche Standorte von Ladesäulen sind Tankstellen und Autohöfe an Hauptverkehrsachsen, Einkaufs- und Sportzentren, Carsharing-Stationen oder Bahnhöfe, Flughäfen und Messezentren. Grundsätzlich liegt die maximale Zuwendungssumme pro Antragsteller bei 60 Mio Euro für die gesamte Förderperiode von 2017 bis 2020. Im ersten Förderaufruf ist die Zuwendungssumme pro Antragsteller auf 5 Mio Euro begrenzt.
Wie errechnet sich die Fördersumme eines Projektes?
Bemessungsgrundlage für die Zuwendung sind die zuwendungsfähigen Gesamtausgaben. Diese setzen sich zusammen aus den Anschaffungsausgaben für die Ladestation, den Ausgaben für Aufrüstung und Ersatzbeschaffung bei zusätzlichem Mehrwert (z.B. Ertüchtigung hinsichtlich der Authentifizierungsoptionen), sowie den Kosten für die Montage ohne Umsatzsteuer. Im ersten Aufruf erfolgt die Förderung anteilig. Dabei beträgt die Förderquote im ersten Förderaufruf maximal 40 Prozent auf die Höchstsätze für Normal- und Schnellladepunkte sowie den Netzanschluss. Generell sieht die Förderrichtlinie einen Höchstsatz von 60 Prozent vor, was aber erst ab dem zweiten Aufruf zur Anwendung kommen dürfte und womöglich dafür sorgen soll, dass in der ersten Runde vor allem Top-standorte ausgewählt werden, mit denen sich auch Geld verdienen lässt.
Welche Anforderungen gibt es an aufzustellende Ladestationen?
Vorgaben zum Aussehen oder bestimmten Typen von Ladesäulen gibt es nicht. Allerdings müssen die Mindesanforderungen der Ladesäulenverordnung (LSV I) vom 09. März 2016 zu den Steckerstandards für Normallade- und Schnellladepunkte berücksichtig werden. Heißt: Normalladesäulen müssen mindestens den Typ 2 Stecker bedienen und Schnelllader mit CCS ausgestattet sein. Zusätzlich können an jeder Ladesäule weitere Steckerstandards gefördert werden. Die Ladestationen müssen remotefähig sein. Zudem müssen die Betreiber gewährleisten, dass die Ladesäule zu den im Förderantrag angegebenen Zeiten genutzt werden kann, und verflichtet sich, die Ladestation mindestens 6 Jahre lang zu betreiben. Der Zugang zur Ladesäule sollte grundsätzlich 24/7 ermöglicht werden. Mindestens sollten Ladestationen an Werktagen für 12 Stunden zugänglich sein. Die Zuwendungshöhe fällt in solchen Fällen niedriger aus.
Gibt es Vorgaben zur Markierung und Preisgestaltung?
Betreiber der Ladestation können selbst entscheiden, ob sie den Strom kostenlos abgeben oder ein Abrechnungsmodell nutzen. Möglich sind die üblichen Abrechnungsmodelle nach Zeit oder Kilowattstunde. Die Stellplätze neben einer Ladesäule im öffentlichen Straßenraum sind durch das Aufbringen einer Bodenmarkierung (Auto mit Stecker) zu kennzeichnen, die Stellplätze im nicht-öffentlichen Raum durch eine grüne Bodenmarkierung. Der Ladepunkt-Betreiber hat den Nutzern das punktuelle Aufladen zu ermöglichen, indem er entweder keine Authentifizierung fordert und die Ladung ohne direkte Gegenleistung oder gegen Bargeld-Zahlung in unmittelbarer Nähe zum Ladepunkt anbietet oder die für den bargeldlosen Zahlungsvorgang erforderliche Authentifizierung und den Zahlungsvorgang mittels eines gängigen kartenbasierten Zahlungssystems in unmittelbarer Nähe zum Ladepunkt oder mittels eines webbasierten Systems ermöglicht. In der Menüführung sind dabei mindestens Deutsch und Englisch zu berücksichtigen. Der Betreiber hat sicherzustellen, dass mindestens eine Variante des Zugangs zum webbasierten Zahlungssystem kostenlos ermöglicht wird. Die geförderte Ladeinfrastruktur muss darüber hinaus auch vertragsbasiertes Laden ermöglichen. Hierbei ist an Ladeinfrastruktur mit einer Ladeleistung ab 3,7 Kilowatt mindestens der Zugang per RFID-Karte (Multi Standard) zu ermöglichen. Darüber hinaus können weitere Authentifizierungs- und Abrechnungsmöglichkeiten angeboten werden. Eine Roaming-Anbindung muss erfolgen.
Wann beginnt ein Projekt und wie schnell sollte es abgewickelt werden?
Als Vorhabenbeginn ist grundsätzlich der Abschluss eines dem Projekt zuzurechnenden Lieferungs- oder Leistungsvertrages zu werten. Planung, Genehmigungsverfahren usw. gelten nicht als Beginn des Vorhabens. Dementsprechend haben viele Investoren bereits fertige Pläne in ihren Schubladen. Ein Vorhaben sollte möglichst binnen 12 Monate realisiert werden. Die Verlängerung der Frist ist nur in begründeten Fällen möglich.
Weiterführende Links:
> Pressemitteilung des BMVI zum Start des Förderprogramms unter www.bmvi.de
> Presseinformation der EU-Kommission zur Genehmigung des Programms unter www.europa.eu
> Unterlagen für Förderanträge finden Sie bei der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV) unter www.bav.bund.de
> Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland unter www.bmvi.de
> Aufruf zur Antragseinreichung unter www.bmvi.de
> Ankündigung der Beteiligung von E.ON unter www.eon.com
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